Einspurig unterwegs…

Fernweh, Abseits der Piste, Motorrad

Dromdatour, Sahara, Mhamit

Motorradurlaub Marokko 2012 – Merzouga – Zagora – M’hamid

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Sonntag, 1. April

Heute verlassen wir schweren Herzens Merzouga und die Erg Chebbi, aber wir wollen noch einiges von Marokko sehen. Die Wüste wollen wir allerdings noch nicht verlassen. Wir fahren also Richtung Zagora. Wieder sind wir in dieser Steinlandschaft unterwegs und weit und breit sind weder Häuser noch Tiere zu sehen. Wir halten an und schwupps sind Kinder da. Es wird uns für immer ein Rätsel bleiben, wo die Kinder hier Mitten im Nichts herkommen…

Abends in Zagora angekommen werden wir von einem Motorradfahrer abgefangen, der unbedingt einen Aufkleber von seiner Werkstatt „La Garage Iriki Zagora“ auf unseren Koffern platzieren möchte. Wir sind skeptisch, folgen ihm aber trotzdem. Der Empfang in der Werkstatt ist herzlich. Es gibt einen Tee, ein Foto und wir lassen bei der Gelegenheit Christinas Motorrad verarzten und kehren nebenan im Hotel „Chez Ali“ ein. Die Zimmer sind schön und sauber, nur die Dusche ist eher ein Wechselbad der Temperaturen. Beim Abendessen im Berberzelt sitzen wir in einer netten Runde deutscher Touris. Ein Ehepaar aus Braunschweig und ein Motorradfahrer-Paar aus Hamburg. Die beiden  Braunschweiger erzählen von Ihrer sieben Tage Tour auf dem Kamel. Die beiden Hamburger Mattis und Christina, haben auch schon eine solche Tour gebucht, allerdings mit nur einer Übernachtung. Meine Christina möchte auch schon die ganze Zeit eine solche Tour machen und jetzt gibt es kein Halten mehr… Die Tour ist gebucht. Oh je, ich bin skeptisch. Ob das etwas wird und dann gleich mit Übernachtung. Eine Stunde auf dem Kamel hätte mir auch gereicht. Morgen mittag um 12 geht es los. Aber heute fallen wir erstmal erschöpft in die normalen Betten bei „Chez Ali“.

Montag, 2. April

Das Hotel „Chez Ali“ ist für marokkanische Verhältnisse schon eher gehoben, leider sind die Duschen auch heute noch kalt. Da hilft auch kein warm singen. Wir genießen das Frühstück bei 25°C in der Sonne und die Zeit schreitet dahin, ohne dass wir es bemerken. Als wir loskommen ist es bereits elf Uhr. Um zwölf Uhr sollen wir in M´hamid sein und es sind noch 95km auf einer einspurigen Straße bis dorthin. Tapfer! Aber wir sind trotzdem fast pünktlich.

Am Ortseingang von M’hamid wartet Youssef bereits mit einem Dromedar auf uns, cool. Zum Haus sind es noch ein paar Meter. Youssef beschreibt uns den Weg. Allerdings sind es doch ein paar Meter mehr als was wir gedacht haben. Am Treffpunkt angekommen will Mattis sich gerade mit dem Motorrad auf die Suche nach uns machen. Der Treffpunkt ist der „Garden Eden“, ein wunderbarer ummauerter Garten mit mehreren Lehmhütten. Hier bleiben unsere Motorräder heute Nacht einschließlich Gepäck. Im Garten stellt sich der zweite Kamel- bzw. Dromedar-Führer vor. Sein Name ist Rachid. Die beiden Hamburger, Christina und Mattis, haben den „Garden Eden“ bereits erkundet. Es ist wirklich sehr idyllisch hier. Bevor es los geht gibt es erstmal einen Tee und dann eine leckere Tajine. Beim Essen lernen wir uns näher kennen und dann geht es auch schon los. Die Dromedare werden gepackt und wir sitzen auf. Was für ein Gefühl… Man sitzt doch recht hoch und die Gangart der Dromedare ist sehr gewöhnungsbedürftig, zudem habe ich das Bissige erwischt. Mattis und ich sehen die Sache vielleicht ein wenig zu kritisch, jedenfalls sind wir uns sehr schnell einig, eine sieben Tage Tour wie die beiden Braunschweiger wäre uns eindeutig zu viel. Nach eine Weile lassen wir uns auf die Situation ein, wir haben ja eh keine Wahl. Ich versuche die Bewegung des Dromedar mit meiner Hüfte auszugleichen, um ein paar Fotos zu schiessen. Das ist gar nicht so einfach. Eigentlich sitzt man doch recht bequem auf so einem Dromedar, oder liegt das am Bikerhintern? Eine kleine Pause zwischen durch und nach ca. 1 ½ Std. sind wir am Ziel für diese Nacht. Wir laufen ein wenig durch die Dünen, vergleichen mit der Erg Chebbi, machen Fotos vom Sonnenuntergang in der Sahara, lernen einen marokkanisches Kartenspiel und dann haben Youssef und Rachid eine super leckere Suppe und Tajine zubereitet. Die Wüstenköche :-). Anschließend sitzen wir und beim Lagerfeuer und hören Youssef und Rachid beim Trommeln und Singen zu. Schön! Auf die Frage, ob hier noch mehr Dromedartouren stattfinden erhalten wir die Antwort: „Nicht in diesem Gebiet. Die Piste, über die wir vorhin geritten sind, ist eine Militärpiste und das hier ist militärisches Sperrgebiet.“ Wir sind uns nicht ganz im Klaren darüber, ob wir das jetzt beruhigend finden sollen, aber gut. Das Camp steht ja schon länger und wir sind nicht die Ersten hier.

Wir genießen noch ein wenig die Atmosphäre am Lagerfeuer und dann gehen wir müde und zufrieden zu Bett in unserem kleinen „Gästeberberzelt“.

Dienstag, 3.April

Um Sechs Uhr werden wir geweckt. Sonnenaufgang! Christina steht auf um zu fotografieren. Ich bleibe liegen. Mir ist es noch zu früh um aufzustehen. Viel Zeit bleibt mir jedoch nicht. Um mich herum sind schon alle aktiv. Frühstücken auf die Dromedar und los, so sieht das Programm aus. Ich stehe also doch auf, um festzustellen, dass Youssef und Rachid bereits ein opulentes Frühstück zubereitet haben. Unglaublich. Und das mit den doch eher bescheidenen Möglichkeiten hier im Sand. Wunderbar.
Nach dem üppigen Frühstück wird zusammen gepackt, wir sitzen auf und reiten zurück zum Startpunkt. Mattis und Christina wollen nach der Tour zurück nach Zagora. Christina und ich wollen in M´hamid bleiben. Rachid lädt uns ein, die Nacht bei ihm im „Garden Eden“ zu verbringen. Die Einladung nehmen wir gerne an.
In M´hamid angekommen bereiten wir unsere Motorräder für die nächste Tour vor:
M´hamid- Foum Zguid, ca. 150km Piste: Tanken, Öl kontrollieren und ein wenig Proviant einkaufen.
Nachmittags fahren wir ins Dorf M’hamid und laden Rachid als Dank für die Übernachtungsmöglichkeit auf einen Kaffee ein.
Die Sonne ist inzwischen verschwunden, der Himmel wolkenverhangen und jetzt kommt Wind auf. So erleben wir auf dem Weg nach M’hamid unseren ersten Sandsturm. Rachid sitzt bei mir hinten auf dem Motorrad, einem Berber macht das nichts aus.
In M’hamid stellen wir fest, dass wir Geld holen sollten. Natürlich gibt es hier keinen Geldautomaten. Wir machen uns auf den Weg nach Tagounite in 20km Entfernung. Doch auch hier ist nichts zu machen. Der Nächste ist in Zagora. Oh je! So zahlen wir Lehrgeld, und fahren 200km um an Bargeld zu kommen. Wir geben Gas uns sind ca. 50 Minuten später am Geldautomaten in Zagora. Der gewählte Automat ist „Außer Betrieb“.  Also steuern wir den Nächsten an. Ich halte vor der Bank, als plötzlich jemand unsere Namen ruft: „Christian, Christina, Christian…..“ Das kann nicht sein, denke ich mir und will gerade vom Motorrad absteigen, da steht Phillipe, einer der Franzosen, die wir auf der Fähre kennengelernt haben vor mir. Wie cool ist das denn? Wir halten ein bisschen Smalltalk und erzählen uns gegenseitig von den Erlebnissen in Marokko. Leider haben wir keine Zeit für einen gemeinsamen Tee, da es bereits dunkel wird und Rachid mit einer Tajine auf uns wartet. Wir verabschieden uns herzlich und machen uns auf den Rückweg. Francois, Guy und Phillipe müssen wir unbedingt wiedersehen :-). Vielleicht im September in Frankreich? Das wäre schön.
Die Rückfahrt im Dunkeln macht nicht wirklich Spaß. Jetzt wissen wir auch, warum von Fahrten im Dunkeln abgeraten wird. Die Autos, Mofas und Fahrradfahrer fahren ohne Beleuchtung, es laufen Tiere und Fußgänger auf der Straße herum und zusätzlich wird man vom Flutlicht der 4×4-Fahrzeuge geblendet. Wir sind froh als wir in M’hamid ankommen. Rachid ist ebenfalls froh uns zu sehen, er wollte schon eine Suchaktion starten. Abends genießen wir nochmal eine leckere Tajine und freuen uns auf die Tour nach Foum Zguid.

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