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Motorradurlaub 2013 – Der Kosovo

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Wir stehen an der Grenze zum Kosovo und warten auf die Abfertigung. Während wir warten, laufen Bilder vor meinem inneren Auge ab: Der Kosovo Krieg, das Massaker von Meja, der ständige Konflikt mit Serbien um die Anerkennung der Grenze. Ein kleines Land, in dem noch KFOR Einheiten für Sicherheit sorgen. Ich teile meine Gedanken mit Christina. Ja, wir haben so was von keine Ahnung was in diesem Land vor sich geht, umso größer ist unsere Neugierde.
An der Grenze wird Christina mit ihrem Name angesprochen: „Guten Tag Frau Däsler, sind Sie zum Arbeiten im Kosovo?“ Christina ist sichtlich überrascht, vor allem, weil der Beamte auch noch super Deutsch spricht: „Nein, wir machen Urlaub.“ Das wiederum überrascht den Zollbeamten, der sich überschwänglich über die Einreise freut. Für die Einreise in den Kosovo fehlt uns noch eine KFZ-Versicherung. Diese lässt sich derzeit noch nicht im Vorfeld über die eigene Versicherung abschließen, sondern das Papier ist an der Grenze für 15 Euro käuflich zu erwerben. Das wird aber sicherlich nicht mehr lange so sein. Im Vorfeld bei der eigenen Versicherung prüfen, lohnt sich immer. Wir bekommen für die 15 Euro jedenfalls ein hübsches Souvenir-Dokument.
Wir stehen an der Grenze und sind uns sicher: Das hier ist die freundlichste Kontrolle durch Zollbeamte, die Christina und ich bis dahin erlebt haben.
Unser Ziel für heute ist Pejé, mit seiner Rugova Schlucht und dem UNESCO Weltkulturerbe: das Patriarchenkloster Peć.
Doch soweit sollten wir heute nicht kommen. An der Grenze zu Mazedonien aber auch bei der Grenzkontrolle in den Kosovo haben wir Zeit verloren durch den erforderlichen Erwerb der Versicherung und so ist es bereits Nachmittag als wir unseren Weg in Richtung Pejé nach der Grenze fortsetzen.
Die Straßenverhältnisse sind besser als wir erwartet haben und die Kosovaren sind super nett und zuvorkommend. Überall wo wir anhalten, kommen wir sehr schnell mit Einheimischen in Kontakt und sind nicht nur überrascht von der Hilfsbereitschaft, sondern vor allem auch von den Deutschkenntnissen…
Ein Polizist am Straßenrand erzählt uns voller Stolz von seiner Ausbildung in Deutschland. An der Kreuzung wird Christina von dem Fahrer eines Transporters angesprochen: „Wie geht es Nürtingen?“
In Shtime werden wir zum Kaffee eingeladen und begrüßt mit den Worten: „Wir wissen, was ihr Deutschen für uns getan habt.“ Wir sind ein wenig verlegen, denn uns war nicht bewusst, welchen großen Einfluss die deutsche Außenpolitik hier hat bzw. vor allem hatte. Die Worte: „Ohne Deutschland gäbe es den Kosovo nicht.“, machen uns nachdenklich. Beim nächsten Internetzugriff müssen wir dringend die Zusammenhänge nachlesen.
Die Zeit vergeht und wir wollen noch ein Stück vorankommen. Also machen wir uns wieder auf den Weg. Doch die persönlichen Gespräche haben einiges an Zeit gekostet. Aber das war es in jedem Fall wert. Wir beschließen also bereits nach wenigen Kilometern unser Tagesziel für heute aufzugeben und in Klina nach einer Unterkunft zu suchen.
An der Tankstelle Hina Al Partrol etwas außerhalb der Stadt Klina gibt es ein Motel. Ein Motel? Doch im Ort selbst gibt es kein Hotel oder Pension. Also entscheiden wir uns doch für das Motel. Was für ein Glück. Die Zimmer sind super: groß, sauber und günstig. Die Handtücher sind auf den Betten kunstvoll zu Schänen drapiert. Süss…
Direkt neben der Tankstelle befindet sich ein Supermarkt mit einer Pizzeria. Hier kehren wir abends zum Essen ein. Erneut werden wir auf Deutsch begrüßt und sind beeindruckt von der Gastfreundschaft. Wir kommen mit dem Chef der Pizzeria ins Gespräch. Er hat 12 Jahre als Pizzabäcker bei einem Italiener in Memmingen gearbeitet und nun hat er hier im Kosovo sein eigenes Restaurant eröffnet. Die Pizza ist lecker und wir unterhalten uns noch eine Weile mit dem Chef, bis wir schließlich satt und beeindruckt die Nachtruhe einleuten.
Am nächsten Morgen packen wir unsere Motorräder, trinken noch Kaffee an der Hina Al Partrol und weiter geht es Richtung Montenegro. Die Route führt uns von Klima über Pejé in Richtung Montenegro. In  Kalicáne geht es über die Grenze. Die Anfahrt bis zur Grenze ist eine tolle Strecke und macht einfach nur Spaß zu fahren. An der Grenze passiert mir dann ein Missgeschick bei der Grenzkontrolle. Ich fahre an die Hütte heran und will meine Papiere herausholen. Doch ich rutsche mit meinem linken Fuß weg. Mein Motorrad fällt nach rechts und ich nach links und stecke zwischen mein Motorrad und der Grenzhütte fest. Beim fallen höre ich noch die Worte: „langsam“… Doch das war zu spät. Ich liege bereits am Boden und mein Motorrad ebenfalls.
So schnell kann ich mich nicht bewegen, wie der Beamte aus der Hütte stürzt und gemeinsam mit seinen Kollegen herbeieilt, um mich aus meiner misslichen Situation zu befreien. Nicht nur freundlich, sondern auch noch äußerst hilfsbereit. Der Kosovo. Wir kommen gerne wieder, um mehr von diesem tollen Land zu sehen und erfahren.

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