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Motorradurlaub Lettland - Riga - Schwarzhäupterhaus

Motorradurlaub 2005 Ostsee, Polen, Baltikum, Russland

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Der November Blues:  trübes, nasskaltes Wetter, nicht besonders schön zum Motorradfahren und fürs Boarden ist in unseren Gefilden noch zu wenig Schnee. Zudem steht der nächste Urlaub aufgrund beruflicher Veränderungen erst im September 2013 an.  Das ist eine lange Zeit bis zum nächsten Motorradurlaub. Die Gelegenheit ein paar Auszüge aus unseren Motorradtouren den vergangenen Tagen bzw. Jahren zu Papier zu bringen. :-)

2005 ging unser Motorradurlaub an die Ostsee. Wir wollten zumindest einen Teil davon umfahren. Die Route sollte über Polen, Litauen, Lettland, Estland und Russland nach Finnland gehen. Von Finnland aus wollten wir die Fähre zurück nach Deutschland nehmen. Besonderes Highlight: Russland. Damals wussten wir noch nichts von der 2 ½ stündigen Einreiseprozedur und den Formalitäten im Vorfeld. Wir freuten uns vor allem auf die weißen Nächte von Sankt Peterburg. Die wollten wir unbedingt sehen.

Anfang des Jahres begannen wir also mit der Planung. Drei Wochen Urlaub standen zur Verfügung für viel zu viele Kilometer. Denn jedes der Länder auf der Route ist für sich schon einen Motorradurlaub wert. Wir besorgten uns Reiseführer und Kartenmaterial der Länder und legten, nach intensivem Studium derselben, eine Route fest.

Jetzt waren nur noch die Einreiseformalitäten zu klären. Für die baltischen Länder brauchten wir keine Vorbereitung. Bei Russland sah das anders aus. Wir brauchten einen internationalen Führerschein, ein Visum und eine Versicherung für die Motorräder. Der internationale Führerschein war schnell beantragt und die Versicherung konnte man an der Grenze direkt abschließen. Blieb nur noch die Frage nach dem Visum. Das sollte noch ein spannendes Thema werden und uns einige Wochen beschäftigen.

Zu Beginn unserer Planungsphase waren wir noch der Meinung, dass wir einfach ins russische Konsulat spazieren und mit einem Visum für Russland wieder hinausspazieren. Aber wir wurden sehr schnell eines besseren belehrt. Zunächst hatten wir uns für das falsche Konsulat entschieden. Nicht München, sondern Frankfurt am Main war für uns zuständig. Aber auch dort war telefonisch niemand erreichbar bzw. konnte uns niemand Auskunft darüber erteilen, welche Unterlagen mitzubringen wären oder wie lange die Ausstellung eines Visums dauern  würde. Wie heißt es so schön: die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und uns lief die Zeit davon. Das veranlasste uns schließlich die Reisepässe zu einer Agentur nach Berlin zu schicken, um die Visa über diese besorgen zu lassen. Das hat uns zwar ein paar Euros gekostet und es war außerdem ein komisches Gefühl, den eigenen Reisepass per Post zu verschicken, aber letztlich hat das super funktioniert.

Das erste Ziel auf unserer Reise war dann natürlich Berlin. Wir mussten ja unsere unsere Reisepässe und Visa abholen. Gleichzeitig war es eine gute Gelegenheit eine Freundin von Christina zu besuchen.

Von Berlin aus fuhren wir zum Grenzübergang Stettin. Die polnische Ostsee war zu der Zeit noch eine kleine Zeitreise: kleine Dörfer, unbefestigte Straßen und viele schöne alten Alleen. Für mich war es nicht die erste Reise nach Polen. Ich hatte beruflich in den Jahren zuvor schon einige Freizeiten hierher organisiert und begleitet. Es war immer wieder unglaublich zu sehen wie schnell sich das Land Jahr für Jahr entwickelte und vor allem diese mitreißende Aufbruchsstimmung zu erleben.

Unser erstes Ziel war Leba, ein schöner Ostseeort. Hier schlugen wir unser Zelt für ein paar Tage auf. Leba ist nicht weit von Danzig (Gdansk) entfernt und so durfte eine Städtetour durch die historische Hansestadt natürlich nicht fehlen. Danzig ist für mich eine der schönsten Städte und es war eine Freude mit Christina zusammen über den langen Markt mit seinem grünen Tor zu laufen. Heute ist Danzig eine moderne pulsierende Stadt, in der die Spuren der Hanse noch deutlich zu bewundern sind. Danzig (Gedanz) war von 1361 bis zum letzten Hansetag 1669 ständiges Mitglied. Wir schlenderten durch die Stadt und machten viele Fotos. Damals war noch unsere analoge Kamera im Einsatz. Leider haben die Filme nicht den Weg nach Hause gefunden.

Nach drei Tagen Aufenthalt in Leba (eigentlich waren hier maximal 2 geplant) mussten wir uns dann aber doch wieder auf den Weg machen und planten eine Tagesetappe von Leba bis nach Klaipeda. Unsere Route führte uns weiter durch die Masuren, unter anderem weil wir kein Visum für Kaliningrad hatten. Aber wir wollten die Masuren natürlich auch sehen. Eine wunderschöne Landschaft, unberührte Natur pur. Auch hier wären wir gerne länger geblieben, doch wir hatten einen Zeitplan einzuhalten, schließlich hatten wir einen genauen Termin für unsere Ein- und Ausreise nach Russland. Wir fuhren also weiter Richtung Litauen. Die Tour durch die Masuren hatte länger gedauert als geplant und die Zeitverschiebung in Litauen hatten wir nicht eingeplant. So kamen wir sehr spät in Litauen an und mussten Klaipeda für heute streichen. Kurz vor Mitternacht kehrten wir in Kaunas in ein Hotel ein. Durch unsere verlängerten Tage in Polen sahen wir nur sehr wenig von Litauen. Schade! Aber wir kommen wieder, denn wir wollen noch in die Kurische Nehrung erkunden. Der weitere Weg führte uns nach Klaipeda, bei Soventoji einen kleinen Grenzübergang ging es nach Liepaja Lettland.

Entlang der Ostseeküste Lettland, Richtung Riga, die größte Stadt des Baltikums. In Riga waren wir mit Doris verabredet. Doris hatte uns ein super Apartment mitten in der Altstadt Rigas organisiert. Die Motorräder konnten wir dort sicher im Innenhof parken und dann ging es los auf Touritour, die Stadt erkunden. Auch Rigas Geschichte ist sehr stark von der Hanse geprägt und es gibt noch einiges davon zu sehen. Das Schwarzhäupterhaus, die Jugendstilhäuser, Schweden, Russen, Polen, der deutsche Orden waren im Laufe der Geschichte stark vertreten. Der Einfluss der Deutschen war in Riga sehr groß. Deutsch war sogar bis 1891 Amtssprache. Was für eine Vergangenheit und Geschichte, Riga das Tor zum Westen.

Nach zwei Tagen und vielen Eindrücken fuhren wir weiter Richtung Estland, die Ostsee immer im Blick. Unser nächstes Ziel war Tallinn. Dort fanden wir sogar ein wenig außerhalb von Tallinn einen Campingplatz auf dem wir unser Zelt aufschlagen wollten. An der Rezeption lernten wir, daß estnisch eine schwierige Sprache ist. Die Rezeption war in der Bar untergebracht und wir versuchten dem Mann hinter dem Thresen zu bedeuten, dass wir zelten wollten. Das schien er nicht zu verstehen. Er hielt uns einen Schlüssel hin und das wiederum verstanden wir zunächst nicht. Es dauerte eine Weile bis uns klar wurde, dass der Schlüssel für eine der kleinen Holzhütten war. Die Hütten sahen ein bisschen nach Gartenlaube aus :-)  mit Blick auf die Ostsee. Da es angefangen hatte zu regnen und wir schon eine Weile unterwegs gewesen waren, waren wir einverstanden. Es gab eine warme Dusche und einen Aufenthaltsraum, von hier aus konnten wir die Gegend und vor allem Tallinn prima erkunden.

Das nächste Aha-Erlebnis in Estland hatten wir am nächsten Tag beim Tanken. Die Tankstelle, die wir uns ausgesucht hatten musst mechanisch in Betrieb genommen werden. Nur wussten wir leider nicht so genau wie das funktioniert und die Tankstellenwärterin hatte eigentlich keine Lust ihre Hütte zu verlassen und war zudem völlig fassungslos, dass die „blöden Touris“ nicht wussten wie man tankt… Sie bekam eine Vorauszahlung und half uns dann etwas widerwillig.

Nun ging unsere Städtetour weiter: Tallinn, das bis zum 24. Februar 1918 Reval hieß ist am finnischen Meerbusen der Ostsee gelegen und Haltestelle vieler Kreuzfahrten durch die Ostsee. Entsprechend war und ist die Stadt völlig auf Tourismus ausgerichtet. Die Altstadt war wie ein ein großes Theater: Alles im Zeichen der Hanse. Zu Zeiten der Hanse war Tallinn Wirtschaftsknotenpunkt: es gab deutsche Kaufleute, das lübische Städterecht (1248), Handelswege nach Nowgorod. Tallin zeigt sich uns ganz in diese Zeit zurückversetzt. Selbst das Essen war der Zeit angepasst. Wir spazierten durch die Stadt, vorwiegend an der Stadtmauer bzw. den Stadtmauern zwischen Ober- und Unterstadt entlang und besichtigten die Oberstadt. Hier war es weit weniger touristisch. Auf dem Rückweg ließen wir uns von einer traditionell gekleideten Dame zu einem hanseatischen Essen überreden im Old Hanse. Anschließend zogen wir uns beeindruckt und geflasht von so viel Information in unsere Gartenlaube zurück und bereiteten unsere Weiterreise nach Russland vor.

 

4 Kommentare

  1. Hallo,
    toller Bericht! Ich recherchiere gerade für unseren geplanten Ostsee-Trip im Sommer. Wir wollen die gleiche Route wie ihr mit dem Auto abfahren. Kannst du uns vielleicht sagen, wie der Campingplatz bei Tallinn hieß, wo es diese putzigen Holzhütten gab? Waren darin auch Betten etc.?

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Hallo Sarah,
      es freut uns sehr, dass Dir unsere Berichte gefallen. Die Tour war schon sehr cool. Der Name vom Campingplatz bei Tallinn ist Valkla Rand: http://www.camping.info/estland/estland-west/resort-valkla-rand-23104?onMap=1
      In den Hütten gab es Betten und Strom mit Blick auf das Meer. Ein sehr schöner Campingplatz. Es hat sich dort sicherlich einiges getan in den letzten Jahren. Zu der Zeit entsprachen die Sanitären Anlagen noch nicht dem westlichen Standard. Aber die Sauna war neu und die durften wir benutzen :-)
      Grüße
      Christian & Christina

  2. Hallo,

    ich will ab Talin durchs Baltikum und Polen in Richtung D.

    ist ein Sporttourer dafür geeignet?

    • Hallo Fred,
      das Straßennetz ist gut ausgebaut und ich glaube nicht, dass die dortigen Straßenverhältnisse ein Problem für Dich und Deine Maschine darstellen werden. Es gibt viel zu entdecken auf Deiner Tour. Wir wünschen Dir viel Spaß auf Deiner Reise.
      Grüße
      Christian & Christina

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