Einspurig unterwegs…

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Mit Pferd und Kutsche durch Tozeur

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Der erste Tag im Sand liegt hinter uns und wir freuen uns auf mehr. Heute verrät uns der Blick auf unsere Motorradanzüge allerdings, dass wir wohl einen Tag Pause einlegen sollten. Die haben ganz schön gelitten. Ich bin mit meinem Bein irgendwo hängen geblieben: die Hose hat einen Riss an der Wade und die Pharaohose von Johannes, gibt am Gesäß ganz auf. Ärgerlich vor allem, da es schon zum zweiten Mal so ist. Wir brauchen also erstmal einen Schneider! Der Campingplatzbesitzer hat eine Empfehlung für uns. Wir bringen die Hosen dorthin. Jetzt haben wir viel Zeit und Gelegenheit um Tozeur kennenzulernen.

Wir bewaffnen uns also mit Fotoaparaten und schlendern am frühen nachmittag los. Die Mittagspause ist offenbar noch nicht vorbei. Jedenfalls ist noch nicht viel los in der Stadt. Wir kommen an einigen Pferdekutschen vorbei. Die Kutscher warten auf Touris, wie uns, um mit ihnen eine Fahrt durch die Oasen von Tozeur zu machen. Natürlich werden wir sofort angesprochen. Wollen wir das? Kutsche statt Motorrad? Na gut Motorrad fällt ja aus, also entscheiden wir uns trotz meiner Pferdeallergie dafür. Ich muss dann halt ein bisschen langsam tun.

Das Pferd trabt los. Naja… schnell ist es nicht, aber es hat ja auch ein bisschen was zu ziehen, schließlich haben allein Johannes und ich über 200kg Masse. Doch die ein PS-Zugmaschine meistert die Tour souverän. Der Kutscher steuert direkt auf die Oasen zu. Hier merkt man neben dem Fehlen der Touristen, auch deutlich den Umbruch in dem sich das Land befindet.

Wir fahren vorbei an vielen kleinen und einigen großen Oasen, an verwaisten Erlebnisparks. Dazwischen schwarze Palmen. Was ist hier passiert? Der Kutscher klärt uns auf: Im Unmut der Revolution brannten die Palmen in den größeren Oasen nieder, als Symbol gegen die Ausbeute.

Doch wo Schatten ist, ist auch Sonne. Die Dattelernte steht an und es verspricht eine gute Ernte zu werden. Auf den abgebrannten Flächen wächst bereits wieder Grün und unser Kutscher berichtet uns voller Stolz von der Demokratiebewegung und den anstehenden Wahlen.

Wir sind froh hier zu sein und den Aufbruch ins „Neue“ miterleben zu dürfen.

Nach einer Stunde ist die Fahrt durch die Oasen beendet. Unser Kutscher lässt uns in der Innenstadt raus. Wir verabschieden uns und das „Abenteuer Sightseeingtour“ durch Tozeur geht weiter. Erst einmal bestellen wir uns im nächsten Café mit Blick auf den Markt einen „thé à la menthe“. Schnell kommen wir ins Gespräch. Die Herren vom Nebentisch wollen wissen wo wir herkommen, wie wir hierher kommen und, und, und…
Im Gegenzug nutzen wir die Gelegenheit auch ein paar praktische Fragen loszuwerden. Wir sind ja immer noch auf der Suche nach Aufklebern von Tunesien.

Ich habe kaum meine Frage ausgesprochen, da ist auch schon ein junger Mann unterwegs und kommt kurze Zeit später mit 3 „stickers from Tunesia“ zurück. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht wo man in Tunesien Aufkleber kaufen kann, aber immerhin haben wir jetzt welche für unsere Alukoffer. :-)

Als nächstes steht die Medina von Tozeur auf dem Programm. Die Altstadt mit ihrer Lehmziegelarchitektur soll laut Reiseführer sehr schön sein. Einer der Herren vom Nebentisch mit guten Deutschkenntnissen, bietet uns an uns durch die Altstadt zu führen. Eigentlich haben wir den „Reise-Know-How“ dabei und sind nicht unbedingt scharf auf einen Guide. Doch der gute Mann lässt nicht locker. „Wieviel?“, frage ich. Das Handeln macht ja einfach Spaß. So kommen wir schließlich doch ins Geschäft und erhalten eine Führung durch die kleinen verwinkelten Gassen, die vielen kleinen Häusertunnel der Altstadt und bewundern die Architektur der unterschiedlichen Lehmziegelbauten. Macht ja auch Spaß, wenn einem was gezeigt wird.
Zum Schluss fragt uns der Guide ob wir ein Bier trinken möchten. Bier? In Tunesien? Klar, sagen wir da nicht nein. Wir werden zu einem großen Gebäude geführt. Von außen recht unscheinbar, aber offensichtlich war das mal ein Hotel. Ein Hotel was die Krise nicht überstanden hat. Wir gehen hinein und kommen in einen riesigen Innenhof mit ausgetrocknetem Pool. Hier wären wir ohne Tourguide nie hingekommen. So gibt es ein leckeres Bier zum Abschluss der Runde. Anschließend lassen wir den Tag beim Couscous ausklingen. Das war ein schöner Tag mit der Ein-PS-Zugmaschine und der hübschen Lehmziegelarchitektur von Tozeur.

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