Einspurig unterwegs…

Fernweh, Abseits der Piste, Motorrad

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Der Tafelberg Tembain und die Oase Ksar Ghilane

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Die Tour zum Café war ja nun kläglich gescheitert. Die Natur zeigte uns direkt unsere Grenzen auf. Da bleibt uns wahrscheinlich nur der Frühling, um es mit unseren schweren Maschinen zum Tembain zu versuchen.
Also Planänderung; Wir mieten uns Quads. Coole Idee! Zusammen mit Frank und Eva die Wüste erkunden. An der Rezeption vom „Camping Desert Club“ fragen wir nach. Madame Sophie und Abdallah gehen gleich ans Telefon, um die Quads für uns zu organisieren. Kurze Zeit später kommt Abdallah auf uns zu. Ernüchterung: 250€ pro Tag für ein Quad. D.h. für uns, für zwei Tage 1000€. Wir wollten die Quads doch mieten und nicht gleich kaufen. Wir sind enttäuscht…
Da macht uns Abdalla ein „all-inclusive“ Angebot. Er kann uns mit seinem Auto raus zum Tembain fahren, dort übernachten wir und am Tag drauf geht es über Ksar Ghilane zurück. Das hört sich super an. Da gibt es nichts zu überlegen. Das machen wir!
Doch bevor wir loskönnen gibt es noch ein paar Formalitäten zu erledigen. Abdalla kümmert sich darum. Seit dem unglücklichen Todesfall eines Touristen, so erzählt man uns, darf niemand mehr ohne Genehmigung in die Wüste. Der Tourist war allein mit seinem Fahrzeug in die Wüste aufgebrochen und aufgrund eines Schadens am Fahrzeug liegen geblieben. Seither müssen Touristen Ausfahrten in die Wüste anmelden, um so solche Vorfälle zu vermeiden. O.K. wir als Sahara Newcomer würden bei diesem Schwierigkeitsgrad sowieso nicht alleine hinausfahren. Es ist einfach kein Vergleich zu unseren Pistenfahrten in Marokko. Dort waren wir im Frühling unterwegs und wir sind mit unseren vollbeladenen Maschinen durch den Sand gekommen.

Wir treffen uns gegen 10 Uhr. Auto beladen und los geht es.
Wir freuen uns auf den Tembain. Das Geniale daran ist: Eva und Frank fahren mit. Erster Treffpunkt: Cáfe Desert. Tagesziel für heute: Wüstenhotel am Tembain. Zelten, am Lagerfeuer sitzen… Vorfreude.

Auf dem Weg zum Cáfe halten wir bei den Koordinaten, wo ich mich am Tag zuvor abgelegt habe, noch einmal an. Vielleicht finden wir die fehlenden Teile von meiner Desierto-Scheibe ja doch noch wieder. Nette Idee, aber pure Illusion! Das ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Weiter geht die Fahrt zum Cáfe Desert. Eine kleine Pause mit „thé à la menthe“. Kurze Zeit später treffen auch Frank und Eva ein.
Der Tross zieht weiter. Unser Tourguide Abdalla mit Partner Achmed, Eva und Frank, Christina, Johannes und ich.

Wir fahren um den Nationalpark herum und kommen dann so richtig in die ersten Dünen. Zwischendurch halten wir an, um Touristen mit ihren Geländefahrzeugen vorbeizulassen. Die sehen nicht so entspannt aus wie Abdalla. Mit dem Auto ist das Dünenfahren nochmal ein ganz anderes Erlebnis. Zuerst schaut man in den in den Himmel und im nächsten Moment nur noch auf Sand. Abdalla schaut, gibt kurz ein wenig gas und schwups sind wir wieder über eine Düne. Wir fahren ohne Karte oder GPS. Das ist schon lässig.
Und dann sehen wir auch schon unser heutiges Tagesziel. Der Tembain ist ein Tafelberg. Was für ein Anblick! Nächstes Mal will ich mit dem Motorrad hierher, denke ich mir.
Wir lassen den Tembain rechts liegen und suchen in Sichtweite eine Übernachtungsmöglichkeit.
Ein Platz ist schnell gefunden, Zelt aufgebaut, Holz fürs Feuer zusammengesucht. Dann geht die Sonne auch schon unter. Wir trinken Thé à la menthe und essen frisch gebackenes Brot und Couscous. Abdulla und Achmed geben alles. Genial!
Die Zeit vergeht. Was für eine schöne Runde. Wir sitzen noch eine ganze Weile zusammen am Feuer. Es ist als würden wir uns schon ewig kennen
Christina und ich freuen uns darauf, mit unserem Vango-Zelt zum ersten Mal so richtig in der Sahra zu übernachten. Das alles sind Momente für die Ewigkeit.

Am nächsten Morgen stehen Christina und ich recht früh auf. Sonnenaufgang in der Wüste. Das müssen wir fotografieren. Wir laufen los. Dünen rauf, Dünen runter, immer auf der Suche nach dem schönsten Platz. Alter Schwede, was für eine Anstrengung vor dem ersten Kaffee! Ich krabble nur noch die Dünen hoch. Doch dann haben wir unseren Platz gefunden. In der Ferne sehen wir unser Lager, den Tembain und wie die Sonne mit den ersten Strahlen den Tag erhellt.
Zurück am Lager gibt es bereits Frühstück mit frisch gebackenem Brot…Lecker!
Anschließend packen wir unsere Sachen zusammen und fahren weiter. Erster Stopp direkt am Tembain. Unser Guide steigt aus dem Auto aus und läuft los. Da hoch? fragen wir uns. Den Pfad für den Aufstieg hätten wir alleine niemals gefunden. Kurze Zeit später sind wir auf dem Plato vom Tembain. Was für eine Aussicht! Hier könnte ich noch verweilen, doch wir müssen weiter.

 

Die Weiterfahrt geht vorbei am Nationalpark. Jetzt kommt ein richtig heftiger Abschnitt. Es wird still im Auto. Abdalla fährt mit voller Konzentration. Die Arme wirbeln nach rechts dann wieder nach links und wieder ist eine Düne bezwungen. Und da ist auch schon die nächste. Was für ein fahrerisches Können. Um die Situation aufzuheitern, fordern Abdulla und sein Partner uns auf: „Jalla“ zu rufen, um die bevorstehenden Dünen zu bezwingen. Das hilft vermutlich nicht, macht aber Spaß. Zwischendurch dennoch ist Ausgraben angesagt.
Weiter geht es. Ups, da ist mir das „Jalla“ etwas zu laut rausgerutscht. War aber auch eine ziemliche hohe Düne.
Zum Mittagessen treffen wir uns wieder mit Eva und Frank zwischen den Dünen. Wieder gibt es selbst gebackenes Brot backen und leckeres Essen. Christina fährt eine Runde mit Eva’s Quad durch die Dünen. Fun.
Dann geht die Fahrt weiter Richtung Ksar Ghilane. Eine Befestigunganlage, fast 2000 Jahre Kriegsgeschichte, Römer, Franzosen, Kriegsschauplatz im zweiten Weltkrieg. Heute ist es ein Anlaufpunkt für Touristen mit einem blick auf die ersten Demokratischen Wahlen in Tunesien. Genial, dieses hier live mit zu erleben.
Noch ein paar Fotos und dann geht die Fahrt weiter zur Oase Ksar Ghilane. Was soll man dazu schreiben. Ein Wasserbecken in der Wüste. Touristen baden, Tunesier Fotografieren, schlechter „Thé à la menthe“. Nein, das ist gefühlt nicht mein Touriplatz. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Hose mir komplett aufgerissen ist? Nö, ich glaube nicht. Aber immerhin, jetzt haben Ksar Ghilane auch mal gesehen.
Es ist spät geworden. Wir begeben uns auf die Rückfahrt von Ksar Ghilane nach Douz. Auf der Fahrt erzählt Abdalla uns von seinen Reiseerlebnissen in Deutschland, die leider nicht nur positiv waren. Wir plaudern und singen. Am späten Abend sind wir auch zurück auf dem „Camping Desert Club“ und Madame Sophie begrüßt uns. Adballa, das war eine geniale Ausfahrt. Wir freuen uns auf die Nächste.

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